Was genau ist eigentlich Hundeerziehung?
Hundeerziehung bedeutet, dass man seinem Hund beibringt, wie er sich in bestimmten Situationen verhalten soll. Durch eine gewaltfreie und tiergerechte Hundeerziehung hilft man dem Hund, sich in einer Umgebung zurechtzufinden, die ausschließlich nach menschlichen Regeln funktioniert.
In der heutigen Zeit wird viel von unseren Haushunden verlangt. So sollen sie beispielsweise im Straßenverkehr oder mit Menschenansammlungen problemlos zurecht kommen, aber auch damit allein zu bleiben oder nicht jagen zu dürfen.
Eine Hundeerziehung ist dabei eine wichtige Orientierungshilfe für den Hund. Sie soll ihm die Regeln vermitteln, die er im Zusammenleben mit dem Menschen einhalten soll. Das Ziel einer Hundeerziehung ist es, unseren vierbeinigen Freunden das Leben mit uns Menschen leichter zu machen.
Das hört sich zunächst ganz leicht an und das ist es eigentlich auch. Wenn man weiß, wie es geht! Aber keine Sorge, Hundeerziehung kann man lernen.
Verfehlte Hundeerziehung
Das nachfolgende Beispiel zeigt, warum ein leicht zu lösendes Problem wegen mangelnder Kenntnis über Hundeerziehung immer weiter besteht.
Stephan hat eine junge Labradorhündin namens „Lucy“. Immer wenn diese alleine bleiben muss, beginnt sie, die Möbel zu zerkauen. Sie macht das nicht, weil sie ungezogen ist oder Stephan ärgern will. Ihr ist einfach nur schrecklich langweilig, wenn sie lange allein bleiben muss. Wenn Stephan nach Hause kommt und sieht, dass seine Möbel schon wieder angekaut wurden, wird er richtig böse. Er schreit und schimpft mit „Lucy“, in der Hoffnung, dass sie in Zukunft damit aufhört.
Stephan glaubt nämlich, dass seine Hündin ganz genau weiß, warum sie ausgeschimpft wird. Doch das ist ein Fehler! „Lucy“ hat schon längst wieder vergessen, dass sie das Sofa zerkaut hat. Darum versteht sie auch überhaupt nicht, warum sie angeschrien wird und bekommt Angst.
Diese Szene wiederholt sich regelmäßig. Die Hündin kaut aus Langeweile an den Möbeln, wenn sie allein gelassen wird und Stephan schreit sie an, sobald er den Schaden sieht.
Mit der Zeit merkt sich die Labradorhündin, dass es Ärger gibt, wenn Stephan nach Hause kommt. Deswegen verhält sie sich ängstlich und unterwürfig. Stephan wiederum denkt: „Lucy sieht total schuldbewusst aus. Die weiß genau was sie getan hat. Aber das werde ich ihr schon austreiben.“ Und schreit sie wieder an.
Stephan weiß nicht genug über Hundeerziehung und macht deswegen mehrere Fehler bei der Kommunikation mit seinem Hund:
- Stephan glaubt nämlich, dass seine Hündin sich auch Stunden später noch daran erinnert, dass sie das Sofa zerkaut hat und die Schelte damit in Zusammenhang bringen kann.
- Er denkt, dass die junge Labradorhündin genau weiß, warum sie angeschrien wird.
- Stephan interpretiert das Verhalten seiner Hündin falsch. Er glaubt, dass „Lucys“ unterwürfiges und ängstliches Verhalten Schuldbewusstsein ausdrückt. Er denkt, dass sie absichtlich ungezogen ist und ganz genau weiß, was sie falsch gemacht hat. Das macht ihn nur noch wütender.
„Lucy“ hingegen wird immer ängstlicher. Weil sie den Grund für die Schelte nicht versteht, und nicht weiß, wie sie sich verhalten soll, beginnt sie vor lauter Angst zu urinieren, wenn Stephan nach Hause kommt.
Dieses Beispiel ist ganz typisch dafür, warum viele Hunde Verhaltensprobleme entwickeln. Der Hund versteht das Verhalten seines Halters nicht und der Halter interpretiert das Verhalten seines Hundes falsch.
Hätte Stephan sich über das Thema Hundeerziehung und das Verhalten von Hunden informiert, wäre ihm sicherlich eine Menge Stress erspart geblieben.
Die meisten Probleme im Verhalten von Hunden entstehen deswegen, weil ihre Halter zu wenig darüber wissen, wie Hunde „ticken“. Sie kennen die Bedürfnisse ihrer Hunde nicht und missverstehen oftmals deren Verhaltensweisen und Signale.
Und dabei ist eine erfolgreiche Hundeerziehung gar nicht schwer zu erreichen, wenn man weiß, wie man mit seinem Hund umgehen muss.
Moderne Hundeerziehung
Moderne Hundeerziehung erfolgt ohne Gewalt oder Zwang. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Hund von nun an selber entscheiden darf, wie er sich verhalten soll.
Bei der Hundeerziehung von heute kommt es darauf an, dass der Mensch die Führungsrolle übernimmt, ohne unnötige Härte oder brutale Mittel einzusetzen.
Sanfte Hundeerziehung bedeutet, seinem Hund ein verlässlicher Sozialpartner zu sein, dessen Führung er folgen kann und zu dem er Vertrauen hat.